Finanzierungsbausteine

Bauklötze
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Klassische und alternative Finanzierungsformen

Zur Finanzierung von Investitionen nutzen Unternehmen neben einbehaltenen Gewinnen, Abschreibungen und Rückstellungen in erster Linie Fremdkapital in Form von Bankkrediten oder öffentlichen Förderdarlehen. Zusätzlich steht ihnen eine ganze Reihe alternativer Finanzierungsformen zur Verfügung. Oft stellt eine Kombination verschiedener Instrumente den besten Weg zur erfolgreichen Finanzierung eines Vorhabens dar.


Eigenkapital

Zum Eigenkapital gehören finanzielle Rücklagen und - je nach Rechtsform - das Grund- bzw. Stammkapital Ihres Unternehmens, der erwirtschaftete Gewinn sowie Vermögenswerte, die vom Eigentümer oder Existenzgründer in das Unternehmen eingebracht werden. Darüber hinaus gehören zum Eigenkapital auch Gegenstände (Maschinen, Anlagen, Fuhrpark usw.), die Ihrem Unternehmen unbegrenzt zur Verfügung stehen. Der Anteil des unternehmerischen Eigenkapitals am Gesamtkapital sollte möglichst nicht unter 20% liegen.

Bedeutung von Eigenkapital

  • Sicherheit: Eigenkapital verringert die Gefahr von Liquiditätsproblemen.
  • Unabhängigkeit: Nur wer über ausreichendes Eigenkapital verfügt, kann auch schnell und flexibel auf erneuten Finanzierungsbedarf (z.B. Investitionen bei Marktänderungen) reagieren.

  • Vertrauen: Das eingesetzte Eigenkapital gilt für Banken und Sparkassen oftmals als Messlatte für die Ernsthaftigkeit eines Vorhabens.

Eigenkapitalquellen

Neben den tatsächlichen eigenen Mitteln, die Sie als Gründer oder Unternehmer aufbringen, gibt es auch Eigenkapital, das von Dritten zur Verfügung gestellt wird. Für Existenzgründer und junge Unternehmen beispielsweise bietet der Bund aus dem ERP-Sondervermögen das "ERP-Kapital für Gründung" an. Es handelt sich dabei zwar um geliehenes Geld, das Sie zurückzahlen müssen, allerdings wird es rein "bilanztechnisch" nicht als Fremdkapital, sondern als Eigenkapital behandelt. Ein wichtiger Vorteil dabei ist: Es erleichtert Ihnen die weitere Kreditaufnahme. Und: Es handelt sich um Nachrangdarlehen. Sie benötigen also keine Sicherheiten. Bei einer Insolvenz wird der Darlehensgeber nachrangig bedient, also erst dann, wenn die Forderungen aller anderen Kreditgeber befriedigt wurden.

Partner: Eigenkapital und Know-how

Eigenkapital kann auch durch Geschäftspartner ins Unternehmen fließen. Darüber hinaus bringen diese auch zusätzliches Know-how und tatkräftige Unterstützung mit ins Unternehmen ein. Bei der Vermittlung von kapitalkräftigen Partnern helfen z.B. das Eigenkapitalforum der Deutschen Börse AG, die KfW Bankengruppe und das Business Angels Network Deutschland.

Beteiligungskapital

Ähnlich verhält es sich mit Beteiligungskapital. Es handelt sich um Eigenkapital, das dem Unternehmen von öffentlichen oder privaten Beteiligungsgesellschaften zur Verfügung gestellt wird; und zwar in Form von Einlagen als Stamm- oder Grundkapital, aber auch als stille Beteiligung am Unternehmen.


Fremdkapital

Wenn Sie ein Vorhaben finanzieren möchten, werden Sie ggf. feststellen, dass Sie zusätzliches Geld benötigen: Fremdkapital. Je nach Umfang und Nutzungsdauer der Investition kommen unterschiedliche Kreditgeber und Kreditarten in Frage.

Öffentliche Förderdarlehen

Der Bund bietet u.a. aus Mitteln des ERP-Sondervermögens Förderprogramme für Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen an. Auch die Bundesländer und die Europäische Union helfen mit finanziellen Mitteln beim Start in die unternehmerische Selbständigkeit. Dabei handelt es sich meistens um Darlehen, unter bestimmten Voraussetzungen auch um nicht-rückzahlbare Zuschüsse. Typisch für öffentliche Förderdarlehen sind - je nach Programm - u.a. günstige Zinsen, feste Zinssätze, lange Laufzeiten und häufig eine rückzahlungsfreie Zeit, bis Sie mit der Tilgung beginnen müssen.

Für Förderdarlehen gilt: Sie werden zwar von den Förderbanken des Bundes und der Länder angeboten - der Antrag dafür wird aber bei der Hausbank gestellt ("Hausbankprinzip"). Die Hausbank ist die Bank oder Sparkasse, bei der Sie Ihr Geschäftskonto führen. Und: Fördermittel müssen Sie grundsätzlich vor Beginn des geplanten Vorhabens beantragen. Im Nachhinein werden keine Fördermittel bewilligt.

Kredite von Banken und Sparkassen

Kredite zur Finanzierung von Betriebsmitteln oder Anlagevermögen erhalten Sie von Ihrer Hausbank. Je nach Finanzierungszweck wird nach kurzfristigen Betriebsmittelkrediten oder mittel- und langfristigen Investitionskrediten unterschieden.

Lieferantenkredite

Beim Lieferantenkredit bezahlen Sie die gelieferte Ware oder Dienstleistung nicht sofort, sondern - nach Absprache mit Ihrem Lieferanten - erst zu einem späteren vereinbarten Termin.

Wechsel

Sie können heute Waren beziehen und müssen diese erst später bezahlen. Ihr Lieferant verlangt für die Waren zunächst kein Geld, sondern er stellt eine Wechselurkunde aus, die auf Ihren Namen ausgestellt ist und die Gültigkeitsdauer des Wechsels beinhaltet. Ihr Lieferant kann den Wechsel nun innerhalb der Gültigkeitsdauer zum Ausgleich eigener Verbindlichkeiten an seine Gläubiger weitergeben. Sie als Schuldner müssen das Geld zum Stichtag an den zuletzt vermerkten Gläubiger, also den Besitzer des Wechsels, zahlen.

Factoring

Beim Factoring verkaufen Sie die Forderungen, die Sie an einen Kunden haben, an ein Factoringinstitut (Factor). Beim Verkauf erhalten Sie eine Abschlagszahlung von 60 bis 80 Prozent auf den Rechnungsbetrag. Sobald der Rechnungsempfänger an den Factor bezahlt hat, erhalten Sie den restlichen Betrag abzüglich einer Gebühr. Factoringunternehmen bieten meist auch die Übernahme eines kompletten Forderungsmanagements an.


Mezzanine-Finanzierung

Der Begriff "Mezzanine" stammt aus dem Italienischen und bezeichnete ursprünglich ein niedriges Zwischengeschoss zwischen zwei Hauptstockwerken. In Anlehnung daran ist eine Mezzanine-Finanzierung zwischen Fremd- und Eigenkapital angesiedelt. Zu den Mezzanine-Finanzierungen werden Nachrangdarlehen, stille Beteiligungen sowie Genussscheine gezählt.

Nachrangdarlehen

Die Kapitalgeber eines Nachrangdarlehens werden im Fall einer Insolvenz des Unternehmens nachrangig bedient. Sie treten im Rang hinter die Forderungen aller übrigen Fremdkapitalgeber zurück. Vorrang haben die Gläubiger, die dem Unternehmen "klassische" Kredite zur Verfügung gestellt haben. Aufgrund dieser Nachrangigkeit hat Kapital, das durch ein Nachrangdarlehen eingebracht wird, einen ähnlichen Charakter wie Eigenkapital. Der Vorteil ist: Die Bonität des Unternehmens wird verbessert und der Zugang zu weiterem Fremdkapital wird erleichtert. Für Existenzgründer und Unternehmen beispielsweise bietet der Bund aus dem ERP-Sondervermögen das "ERP-Kapital für Gründung" an.

Stille Beteiligung

Hierbei beteiligt sich der Kapitalgeber bzw. Investor als stiller Gesellschafter an einem Unternehmen, das heißt, er tritt nach außen hin nicht in Erscheinung. Er leistet eine Einlage in das Unternehmensvermögen und erhält im Gegenzug eine Gewinnbeteiligung. An einem Verlust nimmt der stille Gesellschafter maximal in Höhe der eingezahlten Einlage teil. Die gesellschaftsrechtlichen Regelungen sind im Handelsgesetzbuch (HGB) und im Zusammenhang mit der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zu finden.

Genussscheine

Genussscheine laufen auf einen festen Nennbetrag und sind mit einem Zins- bzw. Gewinnanspruch verbunden. Die Inhaber haben keine gesellschaftsrechtlichen Mitwirkungsrechte, wie die Teilnahme an der Gesellschafterversammlung oder Stimmrechte. Die Bedingungen des Genussrechts können frei festgelegt werden. Danach können sie entweder einem festverzinslichen Wertpapier oder eher einer Aktie entsprechen. Wird der Genussscheininhaber am Gewinn und Verlust beteiligt, besteht eine Nachrangvereinbarung, und handelt es sich um eine langfristige oder unbefristete Beteiligung, hat das durch die Genussscheinausgabe beschaffte Kapital Eigenkapitalcharakter.


Bankkredite

Banken und Sparkassen bieten je nach Zweck unterschiedliche Kredite an. Im Wesentlichen werden Kredite nach ihrer Laufzeit in kurz-, mittel- oder langfristig unterschieden.

Kurzfristige Finanzierung (bis 12 Monate Laufzeit) - Betriebsmittel- bzw. Kontokorrentkredit

Beim Betriebsmittelkredit (Kontokorrentkredit) räumt Ihnen Ihre Bank oder Sparkasse auf Ihrem Geschäftskonto ein Kreditlimit ein, das Sie jederzeit in Abhängigkeit von Ihrer aktuellen Geschäftsentwicklung flexibel in Anspruch nehmen können. Auf diese Weise können Sie kurzfristige Liquiditätsschwankungen ausgleichen sowie Waren, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und weitere Ausgaben vorfinanzieren. Vereinbaren Sie mit Ihrer Hausbank einen Kreditrahmen. Faustregel: ein Monatsumsatz. Bei diesem Kredit werden die Zinsen nur für den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag berechnet. Hinweis: Der Betriebsmittelkredit dient nicht für die Finanzierung von Anlagegütern.

Mittel- und langfristige Finanzierung (ab 12 Monate Laufzeit) - Investitionskredit

Der Investitionskredit dient zur Finanzierung des Anlagevermögens (Grundstück, Gebäude, Maschinen, Fuhrpark usw.). Die Finanzierung muss - neben einer angemessenen Eigenkapitalausstattung - mit der wirtschaftlichen Nutzungsdauer der erforderlichen Investitionen übereinstimmen. Je länger die Laufzeit, desto niedriger sind die monatlichen Tilgungsraten, mit denen Sie den Kredit zurückzahlen. Die laufende finanzielle Belastung ist daher gering. Allerdings gilt auch: Je länger die Laufzeit, desto länger die Zinszahlung. Die Investition verteuert sich daher.

Für Ihre Hausbank ist entscheidend, dass Sie jederzeit in der Lage sind, den eingegangenen Zahlungsverpflichtungen (Tilgung und Zinszahlung) nachzukommen. Die Höhe des Zinssatzes ist abhängig von Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen (= Bonität; bestimmt sich z.B. durch Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad usw.) sowie der Werthaltigkeit der Sicherheiten, die Sie für den Kredit stellen. Damit gilt: Je geringer das Risiko für die Bank, desto geringer der Zins.

Scheuen Sie sich nicht vor Schulden, aber

  • versuchen Sie Ihr Vorhaben so weit wie möglich über einen Teil Ihres Eigenkapitals zu finanzieren, um Ihre Unabhängigkeit weitestgehend zu sichern. Achten Sie aber zugleich darauf, Ihre Zahlungsfähigkeit zu erhalten, in dem Sie Eigenkapitalreserven (Rücklagen) beibehalten.
  • gehen Sie nicht zum erstbesten Kreditinstitut, nur weil es gleich an der nächsten Ecke liegt. Als erste Adresse empfiehlt sich Ihre Hausbank, denn dort sind Sie bereits bekannt und dort kennt man sich mit den örtlichen Verhältnissen aus.
  • prüfen Sie die Leistungen und Konditionen anderer Institute. Verhandeln Sie frühzeitig über Kreditkonditionen.
  • legen Sie bei Ihren Verhandlungen Ihr Vorhabenskonzept, Ihre Unternehmensdaten, Ihren Rentabilitäts- und Finanzierungsplan auf den Tisch. Geben Sie Ihrem/Ihrer Gesprächspartner/in das sichere Gefühl, ein durchdachtes und aussichtsreiches Vorhaben zu realisieren.
  • bedenken Sie, dass das Kreditinstitut zu Ihrem Vorhaben passen sollte: Es kann von Vorteil sein, die in Ihrer Branche und bei Ihren Geschäftspartnern üblichen Bankverbindungen zu nutzen.
  • lassen Sie sich nicht in die Rolle des Bittstellers drängen. Die Kreditinstitute sollten Ihnen eine Ablehnung Ihrer Finanzierung begründen. Überarbeiten Sie ggf. Ihr Unternehmenskonzept mit der fachkundigen Hilfe eines Beraters. Gibt die Bank mangelnde Sicherheiten als Ablehnungsgrund an, erkundigen Sie sich nach den Besicherungshilfen der Bürgschaftsbanken, die es in jedem Bundesland gibt. Bedenken Sie, dass es das Geschäft der Kreditinstitute ist, Geld zu verleihen.
  • sprechen Sie auch den Finanzfachmann in Ihrem Gesprächspartner an; lassen Sie sich von seinen Erfahrungen berichten, fragen Sie nach seiner Expertenmeinung zu Ihren Plänen.

Leasing

Der Begriff "Leasing" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Miete" oder "Vermietung" von Investitionsgütern oder langlebigen Wirtschaftsgütern. Beim Leasing stellt der Leasinggeber für einen befristeten Zeitraum eine bewegliche oder unbewegliche Sache zur Verfügung. Der Leasinggeber bleibt juristischer und wirtschaftlicher Eigentümer des Objekts. Der Leasingnehmer übernimmt alle Rechte, Risiken und Pflichten des geleasten Objektes. Er haftet für Beschädigungen und ggf. für den Ausfall des Produkts. Er muss Reparaturen ausführen und das Objekt instand halten. Der Leasingnehmer zahlt für die Nutzung eine vereinbarte monatliche Gebühr. Beispiele für geleaste Güter sind: Kfz, Bürogeräte, Produktionsanlagen, Immobilien.

Liquidität

Leasing kann Ihrer Liquidität nützen: Sie verfügen ab der ersten Leasingrate über ein Produkt oder ein Objekt, das Sie noch nicht komplett bezahlt haben. Die dadurch verfügbaren Geldmittel können Sie anderweitig einsetzen.

Sicherheiten

Leasing wird vielfach als Möglichkeit gesehen, eine zusätzliche Kreditquelle neben Bankkredit und öffentlichen Fördermitteln zu erschließen. Leasinggesellschaften prüfen aber nach den gleichen Bonitätsgrundsätzen wie die übrige Kreditwirtschaft. Und Existenzgründer werden erfahrungsgemäß von Leasinganbietern bonitätsmäßig zurückhaltend beurteilt.

Unterschied zur Miete

Dem "Mieter" bzw. Nutzer des Leasingobjekts, im Fachjargon auch Leasingnehmer genannt, werden beim Leasing Rechte, Risiken und Pflichten übertragen, die bei "traditioneller Miete" üblicherweise der Vermieter trägt. So haften Sie als Leasingnehmer für Beschädigungen und ggf. für den Ausfall des Produkts. Sie müssen ggf. Reparaturen ausführen und das Objekt instand halten.

Leasingvertrag

Der Leasingvertrag zwischen Leasinggeber und -nehmer kann viele verschiedene Ausgestaltungen haben. Soll er jedoch steuerlich wirksam anerkannt werden, sind dafür die vom Bundesministerium der Finanzen verabschiedeten "Leasingerlasse" maßgeblich.


Beteiligungskapital

Bevor innovative Unternehmen schwarze Zahlen schreiben, muss zunächst viel Geld in mehrjährige Forschung, Entwicklung und Markteinführung investiert werden. Für eine Bankenfinanzierung sind diese Vorhaben in der Regel zu riskant. Der Grund: Die Erfolgschancen für ein neues Produkt oder Verfahren, das erst in einigen Jahren auf den Markt kommen wird, lassen sich nur schwer beurteilen. Dafür ist der Kapitalaufwand in der Regel sehr hoch, die Sicherheiten aber sind gering.

Beteiligungskapital als Alternative

Für innovative und wachstumsstarke Unternehmen können öffentliche und private Beteiligungsgesellschaften eine Alternative zur "klassischen" Bankenfinanzierung sein. Sie bieten Beteiligungskapital ohne die banküblichen Sicherheiten an. Beteiligungskapital ist dabei nichts anderes als Eigenkapital, das dem Unternehmen von Beteiligungsgesellschaften oder außenstehenden Privatpersonen zur Verfügung gestellt wird und zwar in Form von Einlagen als Stamm- oder Grundkapital, aber auch als stille Beteiligung am Unternehmen.

Wer braucht in welcher Lage Beteiligungskapital?

Beteiligungskapital wird meist mit technologieorientierten Gründungen in Verbindung gebracht. Aber auch viele andere mittelständische Unternehmen haben durchaus Bedarf an Beteiligungskapital: z.B. zur (Mit-)Finanzierung größerer Investitionen für Immobilien, Maschinen und Geräte.

Auch für die Wachstumsfinanzierung ganz allgemein, z.B. um ein Produkt in den Markt einzuführen, ist Beteiligungskapital eine mögliche Finanzierungsalternative.

Aber: Zur kurzfristigen Betriebsmittelfinanzierung ist Beteiligungskapital nicht geeignet.

Wer gibt in Deutschland Beteiligungen?

Es gibt in Deutschland über 200 private und öffentliche Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Welche Gesellschaft für welches Projekt geeignet ist, können den Informationen des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften in Berlin (BVK) entnommen werden. Kapitalgeber sind:

  • Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG). Die Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft werden öffentlich gefördert und orientieren sich nicht in erster Linie an der Rendite. Sie bieten Beteiligungsmöglichkeiten auch mit geringeren Beträgen an, die speziell auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Existenzgründer zugeschnitten sind. Gesellschafter sind Kammern, Verbände und Banken, die keinen Einfluss auf die laufende Geschäftsführung nehmen. Die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften sind in nahezu allen Bundesländern vertreten (vgl. Rubrik "Förderorganisationen").  
  • Die KfW Bankengruppe bietet Start-Ups, technologieorientierten Unternehmen und etablierten Mittelständlern ein transparentes Angebot zur Eigenkapitalfinanzierung. Der Ko-Investmentfonds coparion wurde von ERP-Sondervermögen und der KfW Bankengruppe gegründet und beteiligt sich in gleicher Höhe und zu gleichen wirtschaftlichen Konditionen zusammen mit privaten Leadinvestoren an jungen, innovativen Unternehmen. Der Fonds löst damit das Neugeschäft des ERP-Startfonds ab, der weiterhin Folgeinvestments in seine Portfoliounternehmen tätigen wird. Im Later-Stage-Bereich bietet die KfW mit dem ERP-Beteiligungsprogramm Eigenkapitalfinanzierungen für etablierte Mittelständler.
  • Die Bundesregierung, die KfW Bankengruppe und verschiedene Industrieunternehmen bieten über den High-Tech-Gründerfonds Risikokapital für junge chancenreiche Technologieunternehmen, die vielversprechende Forschungsergebnisse unternehmerisch umsetzen.
  • Im Jahr 2004 wurde auf Initiative der Bundesregierung und des europäischen Investitionsfonds (EIF) der ERP-EIF-Dachfonds gegründet. Der ERP-EIF-Dachfonds investiert in Venture Capital-Fonds, die sich überwiegend in Deutschland an jungen Technologieunternehmen beteiligen.
  • Banken und Industrieunternehmen, aber auch private Finanziers (auch aus dem Ausland). Sie übernehmen Beteiligungen ab ca. 250.000 Euro, allerdings auch nur dann, wenn hohe Renditen in Aussicht stehen.
  • Private Beteiligungskapitalgesellschaften. Sie beteiligen sich meist mit höheren Beträgen an Unternehmen, ohne Einfluss auf die Geschäfte zu nehmen. Ihr Ziel: mit entsprechend hoher Rendite aus dem Engagement wieder auszusteigen.
  • Business Angels Network Deutschland (BAND). Bei den Business Angels handelt es sich um Privatpersonen oder Unternehmer, die nicht nur Beteiligungskapital zur Verfügung stellen, sondern den Unternehmen auch mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen.

Wann bekommt man Beteiligungskapital, wann nicht?

Wer ein schlüssiges und Erfolg versprechendes Konzept vorlegen kann, hat bei Beteiligungsgebern gute Chancen. Eine Konzeption sollte neben einer genauen Vorhabensbeschreibung und Angaben über die Qualifikationen des Unternehmers bzw. der Gesellschaft eine Umsatz-, Ertrags- und Finanzplanung für mindestens die nächsten drei Jahre beinhalten.

Tipps:

  • Suchen Sie (mit Hilfe des BVK) eine Beteiligungsgesellschaft, die zu Ihrem Vorhaben passt.
  • "Rundschreiben" an alle der Firma bekannten Beteiligungsgesellschaften sind der falsche Weg.
  • Schlecht vorbereitete Unterlagen, überholte betriebswirtschaftliche Zahlen und eine fehlende, konkrete Strategie für das zu finanzierende Vorhaben führen zum frühen Scheitern einer Beteiligungsanfrage.
  • Reine Sanierungen sind keine Fälle für Beteiligungsgesellschaften. Konsolidierungen mit schlüssigem Konzept, die "Licht am Ende des Tunnels" erkennen lassen, haben eher Chancen.

Bürgschaften

Jedes Kreditinstitut verlangt bankübliche Sicherheiten für seine Kredite. Verfügt der Kreditnehmer nicht über ausreichende Sicherheiten, können - für kleinere Beträge - private Bürgschaften und andernfalls öffentliche Bürgschaften der Bürgschaftsbanken oder - bei größeren Vorhaben - Landes- bzw. parallele Bundes-/Landesbürgschaften weiterhelfen.

Private Bürgschaften

Bei privaten oder persönlichen Bürgschaften bürgen Privatpersonen oder Unternehmer für die Rückzahlung des Darlehens. Dabei wird meist vereinbart, dass die Bank den Zugriff auf den Bürgen auch ohne vorheriges gerichtliches Vorgehen gegen den Hauptschuldner vornehmen kann ("selbstschuldnerische Bürgschaft"). Die Bank kann also den Bürgen jederzeit in die Pflicht nehmen, selbst wenn der Hauptschuldner noch zahlen könnte. Allerdings wollen private Bürgen nicht selten Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen nehmen. Hinzu kommt eine enorme emotionale Belastung, wenn die Geschäfte schlecht gehen und die Bürgschaft wirksam werden sollte. Insofern sollten Familienangehörige, Freunde und Bekannte nicht als Bürgen in Anspruch genommen werden.

Eine Alternative bietet die Übernahme einer Bürgschaft durch einen Geschäftspartner und die Abfassung eines Bürgschaftsvertrags, der Art, Dauer und Anlass der Bürgschaft begrenzt. Interessant können auch Bürgengemeinschaften sein, bei der mehrere Personen im Umfang der eigenen Schuld zugleich auch für andere mitbürgen.

Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken

Für Beträge bis max. 1,25 Mio. Euro stehen im gesamten Bundesgebiet Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken bzw. Kreditgarantiegemeinschaften zur Verfügung. Höhere Beträge können in den Alten Ländern - sowie in den Neuen Ländern für einen Bürgschaftsbedarf bis 10 Mio. Euro - in der Regel über Landesbürgschaftsprogramme abgesichert werden. In den Neuen Ländern sowie in Berlin-Ost können bei einem Bürgschaftsbedarf von über 10 Mio. Euro parallele Bundes-/Landesbürgschaften gewährt werden.

Bürgschaftsbanken sind Selbsthilfeeinrichtungen des Mittelstandes, an denen Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Kammern der Freien Berufe, Wirtschaftsverbände und Innungen, Banken und Sparkassen sowie Versicherungsunternehmen beteiligt sind. Sie stehen nicht miteinander im Wettbewerb, sondern sind - jeweils rechtlich und wirtschaftlich selbständig - für die mittelständische Wirtschaft in "ihrem" Bundesland tätig (vgl. Rubrik "Förderorganisationen").

Ausfallbürgschaften stellen für Banken, Sparkassen und andere Finanzierungsinstitute vollwertige Kreditsicherheiten dar. Eine Bürgschaftsbank bürgt allerdings nur bis zu 80% des zu besichernden Kreditbedarfs. Für die restliche Summe muss die Hausbank das Risiko tragen.

Achtung: Der Kreditnehmer haftet prinzipiell immer für die gesamte Kreditsumme.

Wer kann eine Ausfallbürgschaft erhalten?

Bürgschaften der Bürgschaftsbanken gibt es für alle gewerblichen Unternehmen und Freiberufler (in einigen Bundesländern auch Landwirte, Gartenbaubetriebe und Fischer), denen wegen fehlender Absicherung kein oder kein ausreichender Kredit gewährt würde. Voraussetzung: Ihr Finanzierungsvorhaben muss betriebswirtschaftlich sinnvoll sein. Ausfallbürgschaften werden für kurz-, mittel- und langfristige Kredite aller Art und alle wirtschaftlich vertretbaren Vorhaben gewährt, z.B. für

  • Existenzgründungen und Betriebsübernahmen,
  • Investitions- und Wachstumsfinanzierungen,
  • Betriebsmittel (auch Kontokorrentkreditrahmen),
  • Avale und Garantien (auch Kreditrahmen, z.B. für Durchführungs- und Gewährleistungsbürgschaften).

Wie wird eine Bürgschaft beantragt?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Ihre Hausbank (Bank, Sparkasse, Volks- oder Raiffeisenbank) beurteilt Ihr Investitionsvorhaben positiv. Aber: Sie verfügen über keine ausreichenden Sicherheiten. In diesem Fall kann die Hausbank gemeinsam mit Ihnen einen Antrag bei der Bürgschaftsbank stellen. Der Antrag wird immer bei der Bürgschaftsbank in dem Bundesland gestellt, in dem sich Ihr (geplanter) Betriebssitz befindet.
  • Die meisten Bundesländer bieten das Programm "Bürgschaft ohne Bank" an: Existenzgründer und Unternehmer können sich direkt an die Bürgschaftsbank in ihrem Bundesland wenden. Diese prüft den Finanzplan und bietet bei positiver Beurteilung eine Kreditbürgschaft in der Regel zwischen 60 und 80 Prozent an.

Wichtig ist: Die Hausbank und die Bürgschaftsbank frühzeitig in die eigene Planung einschalten, als Handwerker die Betriebsberater der Handwerkskammer ansprechen. Wer eine Leasing-, eine Bausparkassen- oder Versicherungsfinanzierung plant, wer Anzahlungen oder Gewährleistungen garantieren muss, wer eine Kapitalbeteiligung aufnehmen will, sollte in jedem Fall vorher seinen Finanzierungspartner, in Zweifelsfällen auch die regionale Bürgschaftsbank, fragen.

Weiterhin ist wichtig: Alle Gespräche mit konkreten Unterlagen führen, Bürgschaftsbanken übernehmen ein besonders hohes Risiko, sie brauchen aktuelle und umfassende Informationen.

Was geschieht nach Beantragung des Kredits?

Ihre Hausbank informiert die Bürgschaftsbank, sobald der Kreditvertrag zwischen Ihnen und der Hausbank geschlossen wurde.

Wann wird die Bürgschaft wirksam?

Wenn Sie zahlungsunfähig sind und den in Anspruch genommenen Kredit nicht mehr zurückzahlen können. In diesem Fall meldet Ihre Hausbank die Zahlungseinstellung an die Bürgschaftsbank. Diese leistet ggf. nach Verwertung der gestellten Sicherheiten den festgelegten Anteil (50-80%) der von Ihnen geschuldeten Kreditsumme zuzüglich Zinsen an Ihre Hausbank.

Hinweis: Sie sind nun Schuldner der Bürgschaftsbank und Ihrer Hausbank und müssen mit beiden Institutionen vereinbaren, auf welche Weise und innerhalb welchen Zeitraums Sie Ihre Schulden begleichen werden.