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19.4.2017

Land und L-Bank starten neues Programm "MikroCrowd"

Baden-Württemberg

Mit einem neuen Förderprogramm will das Land Baden-Württemberg der Gründungsdynamik im Bereich der Einzel- und Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten neuen Schub geben. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für innovative Gründungen weiter zu verbessern und Baden-Württemberg zu einer der gründerfreundlichsten Regionen Europas zu machen, so Landeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

Mit dem neuen Programm "MikroCrowd" sollen Kleinstgründer in Baden-Württemberg künftig ausreichend Startkapital und Know-how durch ein vorbereitendes Coaching in Business und Marketing erhalten. "MikroCrowd" verzahnt neue und etablierte Formen der Gründungsfinanzierung, konkret ein L-Bank-Darlehen mit einer Finanzierung durch Crowdfunding. Zielgruppe sind unter anderem junge Gründer und Querdenker aus web- und logistikbasierten Start-ups. Gründungen im Bereich Digital Services, Arts & Crafts, Design, Food, Mode, Ökologie oder Kommunikation stehen dabei im Fokus.

Auf einer neuen Plattform für die Crowdfinanzierung können Gründungswillige künftig ihre Projekte nach einer Beratung durch die L-Bank und ihre Partner online platzieren und vorstellen. Nach positiver Prüfung der Idee startet die Crowdfunding-Phase, in der die Funding-Schwelle erreicht werden muss. Diese entspricht mindestens 50 Prozent des Finanzierungsbedarfs. Wird das Fundingziel nicht erreicht, kommt keine Finanzierung zustande. Haben sich genügend Unterstützer gefunden, kann ergänzend ein Darlehen in Höhe von bis zu 50 Prozent (maximal 10.000 Euro) gewährt werden. Das Besondere daran sei, dass eine Unternehmens- bzw. Produktidee somit bereits vor dem Unternehmensstart vor einer breiten Öffentlichkeit gepitcht werde und die Gründungswilligen damit bereits ein realistisches Feedback erhielten, ob und wie ihre Geschäftsidee am Markt ankomme, so die Ministerin.

Alternativ zur Crowd-Variante kann nach der Gründungsberatung auch ein Direktdarlehen der L-Bank über max. 80 Prozent des Finanzierungsbedarfs beantragt werden. Der max. Finanzierungsbedarf im Rahmen dieser Mikrofinanzierung beträgt 12.500 Euro - in der reinen Fremdkapitalvariante kann das Start-up-Unternehmen somit einen Direktkredit über 10.000 Euro von der L-Bank erhalten. Diese zweite Variante soll vor allem Gründungsvorhaben abdecken, die weniger Crowdfunding-geeignet sind, zum Beispiel unternehmensnahe Entwicklungs- oder Beratungsdienstleistungen.

Zum Laufzeitende beider Varianten erfolgt eine automatische Vermittlung an die Hausbanken zur Anschlussfinanzierung mit dem Ziel, die folgenden Wachstumsschritte mit einer Hausbankbegleitung umzusetzen, so Axel Nawrath, Vorstandsvorsitzender der landeseigenen L-Bank, die das Programm im Auftrag des Landesministeriums umsetzt.

Innovationsfonds BW bald unter Dach und Fach

Ein weiterer wesentlicher Baustein der Start-up-Strategie des Landes ist es, unter Einbeziehung privater Investoren eine deutliche Verbesserung des Risikokapital-Angebots im Land zu erreichen. Deshalb arbeite das Landewirtschaftsministerium derzeit gemeinsam mit der L-Bank mit Hochdruck an einem neuen VC-Fonds. Ziel ist es, ein Risikokapitalfondsvolumen von 50 Millionen Euro zu erreichen.

Ausblick auf weitere Start-up-Aktivitäten des Landes

Um den Gründerstandort Baden-Württemberg noch besser zu vernetzen und bekannter zu machen, erarbeite das Landeswirtschaftsministerium derzeit ein Konzept für eine landesweite Start-up-Kampagne und ein Portal, die auf einem Start-Up-Gipfel am 14. Juli auf der Messe Stuttgart vorgestellt werden sollen.

Hintergrundinformationen

Beim Crowdfunding (auch Schwarmfinanzierung) finanzieren viele private Unterstützer (die Crowd) ein Projekt, das ein potenzieller Existenzgründer meist auf einem Crowdfunding-Webportal vorstellt. Neben einer detaillierten Aufbereitung des Projekts gibt er einen Finanzierungsbetrag an, den er für die Umsetzung des Projekts erreichen muss: die Funding-Schwelle. Erst wenn dieser Betrag durch genügend Unterstützer erreicht oder gar überschritten wurde, erhält der Gründer die Gesamtsumme und kann so sein Vorhaben umsetzen.

Die Zahl der Unternehmen, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen, ist im Jahr 2016 angestiegen. Wie das Statistische Bundesamt ermittelte, sind im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg knapp 14.700 solcher Betriebe gegründet worden. Dem stehen 11.200 Betriebsschließungen von Unternehmen mit wirtschaftlicher Substanz gegenüber.

Die Gründungsförderung in Baden-Württemberg bewegt sich auf historisch starkem Niveau. Die Gründungsförderung der L-Bank erreichte im Jahr 2016 mit einem Volumen von 599 Millionen Euro fast das Rekordniveau des Vorjahrs (2015: 609 Millionen Euro). Von der Förderung profitierten mehr als 2.700 Neugründungen und Unternehmensnachfolgen. Bemerkenswert ist dabei, dass die durchschnittliche Fördersumme in der Gründungsförderung von 170.000 Euro (im Jahr 2013) auf 210.000 Euro im Jahr 2016 angestiegen ist. Das zeigt, dass die geförderten Projekte im Gründungsbereich anspruchsvoller sind, was ein Indiz dafür ist, dass besonders Chancengründer erreicht werden.

Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg fördert das neue MikroCrowd-Produkt für die nächsten vier Jahre mit insgesamt ca. 445.000 Euro.

Die Plattform ist online und die Antragstellung ab sofort unter http://www.mikrocrowd.de möglich.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg vom 11. April 2017